Jedes Jahr
nehmen in Deutschland rund 100.000 Menschen an der
Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) teil. Häufigster
Auslöser: Alkohol am Steuer. Doch der Anteil der Drogenauffälligkeiten
im Straßenverkehr steigt in hohem Tempo. Und auch die „Punktesammler“
stellen unter den MPU-Kandidaten eine stattliche Zahl. Für sie alle
bedeutet die MPU eine beträchtliche Herausforderung – aber auch die
große Chance für einen Neustart ohne Führerscheinsorgen. Dank stetiger
wissenschaftlicher Weiterentwicklung, einheitlicher
Beurteilungskriterien und einem sehr strengen System der
Qualitätssicherung (mit TÜV SÜD startete 1999 das
Akkreditierungsverfahren durch die Bundesanstalt für Straßenwesen) ist
die MPU heute, nach mehr als 50 Jahren Bewährung, ein wirksameres
Verkehrssicherheitsinstrument denn je.
Die
Geburtsstunde der MPU in Deutschland hatte schon früh geschlagen –
gleich in der Nachkriegszeit galt es die Frage zu klären: Können
Kriegsverletzte mit körperlichen Behinderungen ein Auto sicher fahren?
Diese Aufgabe übernahmen die TÜV und schon damals wirkten dabei
Mediziner und Psychologen zusammen. Alkohol wurde in der Folge immer
mehr die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle, für
Führerscheinverlust und die Anordnung einer MPU – der Anteil beträgt
heute rund 65%. Dabei setzte sich allerdings auch die Ansicht durch:
Selbst wer sich am Steuer immer wieder grob fahrlässig gezeigt hat, kann
sein Verhalten sehr wohl dauerhaft ändern. Folgerichtig werden seit der
zweiten Hälfte der 70er Jahre ergänzend zur MPU Nachschulungskurse
angeboten, die sich bereits in frühen Studien bewährten: Es zeigt sich
eine enorme Senkung des Rückfallrisikos. Diese Kurse gibt es seit
einigen Jahren auch für Drogenauffällige und Punktesünder.
Die Bürger
können sich darauf verlassen, dass ihre MPU unter klaren gesetzlichen
Rahmenbedingungen abläuft und transparenten Regeln folgt. Sie beinhaltet
mehrere Schritte, die sich insgesamt über zwei bis drei Stunden
erstrecken. Zunächst wird an einem Testgerät die Konzentrations- und
Reaktionsfähigkeit des Fahrers überprüft. Als zweiter Schritt folgt die
körperliche Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner, je nach Anlass
wird eine Blut- oder Urinprobe genommen. Schließlich bildet das
persönliche Gespräch mit dem Verkehrspsychologen, das in der Regel eine
Stunde dauert, den Schwerpunkt der Untersuchung. Darin beurteilt der
Gutachter, ob der betroffene Fahrer sein früheres Fehlverhalten
eingesehen und selbstkritisch aufgearbeitet hat. Und natürlich besonders
wichtig: Liegt eine stabile Verhaltensänderung, zum Beispiel Beendigung
des Drogenkonsums, vor? Das Ziel ist, dass der Untersuchte den
Führerschein nicht nur zurückbekommt – er soll ihn auch auf Dauer
behalten.
Der „kritische
Blick“ der Gutachter bei der MPU ist also durchaus ein echter Dienst am
betroffenen Bürger. Bei einer Rückfallquote von rund 40% bei den
Alkoholfahrern ist niemandem gedient, wenn einige Jahre nach der
Neuerteilung der nächste Entzug der Fahrerlaubnis folgt. Stichwort
Bürger- oder Kundenservice: Hier hat sich besonders im letzten Jahrzehnt
enorm viel getan. So begann TÜV SÜD schon in den neunziger Jahren mit
kostenlosen Infoabenden und individuellen Beratungsgesprächen.
Schulungsmaßnahmen von Verkehrspsychologen ergänzen heute die
Möglichkeiten, sich aktiv mit seinem Führerscheinproblem und der MPU
auseinander zu setzen. Und angesichts kursierender Stammtischweisheiten
und Fehlinformationen ist auch die Kommunikationsoffensive unter dem TÜV
SÜD-Motto „Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden“ enorm wichtig.
Und noch etwas
erleichtert den Start in ein neues und unbeschwertes Führerscheinleben:
neuartige medizinische Methoden zum Nachweis von Verhaltensänderungen.
An die Seite der seit langem etablierten Drogenscreenings (zum Nachweis
erfolgreicher Drogenfreiheit) ist nun für Alkohol der „Abstinenz-Check“
getreten. Dies ist eine Möglichkeit, den Nachweis zu erbringen: Ich
trinke keinen Alkohol mehr. TÜV SÜD konnte 2006 als erste
Begutachtungsstelle für Fahreignung einen Abstinenz-Check anbieten, der
durch eine Messung von Ethylglucuronid (EtG) – eines direkten
Alkoholabbauprodukts – im Urin diesen Abstinenznachweis ermöglicht. Die
Dienstleistungen für den Bürger wurden also kontinuierlich
weiterentwickelt mit dem Ziel: Schutz vor gefährlichem
Verkehrsverhalten, Chance für die Betroffenen zum Wiedereinstieg ins
mobilisierte Leben. Und ihre Wirksamkeit ist erwiesen. Im Rahmen des
Road Safety Performance Index, des ersten europäischen Ländervergleichs
in Sachen Verkehrssicherheit, veröffentlichte der Europäische
Verkehrssicherheitsrat jüngst eine Studie, die belegt, dass der in
Europa verzeichnete, positive Trend bei der Bekämpfung des Problems
"Alkohol am Steuer" einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der
allgemeinen Sicherheit im Straßenverkehr leistet. Deutschland liegt bei
diesen Erfolgen ganz weit vorne. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass
das Zusammenwirken der in Deutschland praktizierten
Verkehrssicherheitsmaßnahmen eine enorme positive Wirkung entfaltet.
Beratung, MPU und Nachschulungskurse tragen dazu einen wesentlichen Teil
bei.
Zahlen und Fakten rund um die MPU
Zahl der Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen 2006:
105.461;
davon wegen Alkohol: 63.141 (60 %)
Anteil der Alkoholfahrer bei der MPU, die bereits wiederholt mit
Alkohol oder mit Alkohol in Verbindung mit anderen
Verkehrsverstößen auffielen: 25 %
Anteil der Männer an allen Alkoholauffälligen im Straßenverkehr:
96 %
Anteil der Drogenauffälligkeiten 2006 als Grund für eine MPU:
18 %
Zunahme der Drogenauffälligkeiten im Straßenverkehr gegenüber dem
Vorjahr: 10 %
Negative Gutachten bei der MPU (alle Anlässe): 36 %
Literaturtipp:
„Der Testknacker bei Führerscheinverlust“ von Theodor Rieh und
Thomas Wagenpfeil; Goldmann
www.tuev-sued.de/mpi – Der
Führerschein-TÜV bietet ausführliche Infos rund um das Thema MPU
www.fuehrerscheinberater.de –
Angebote zu den Nachschulungskursen (sog. § 70-Kurse)
www.fit-to-drive.com -
2. Internationaler Fit-to-Drive-Kongress, der sich auch mit dem
Thema MPU auseinander setzt
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