|

Peter Tschöpe
|
Übersteigt das Angebot die
Nachfrage, wächst bei Unternehmern die Sorge, Marktanteile an die
billigere Konkurrenz zu verlieren. Man zieht nach, um am Markt zu
bleiben. So geraten Preise und Ertrag oftmals in eine verhängnisvolle
Abwärtsspirale, an deren Ende die Insolvenz steht. |
Der weitverbreitete und nicht minder
hässliche Slogan „Geiz ist geil!“ scheint gerade auch vor den jungen
Fahrschulkunden nicht Halt zu machen. Ist das der Grund, weshalb sich
auch Fahrschulinhaber immer wieder auf den steil abwärts führenden Pfad
des schieren Preiswettbewerbs begeben? Wie auch immer, die Erfahrung
zeigt, dass harscher Preiskampf den Service und die Ausbildungsqualität
signifikant mindert und à la longue die Kunden vergrätzt.
Diese einfachen Wahrheiten gehören zur
Grundausstattung unternehmerischen Denkens. Doch nicht ganz selten
scheint es bei Fahrschulinhabern daran zu hapern. Oft sind es fachlich
ganz gute Leute, die aber betriebswirtschaftlich nicht klar sehen. Das
mag zum Teil daher rühren, dass bis Ende 1998 ein Fahrlehrer ohne den
Nachweis betriebswirtschaftlicher Kenntnisse eine Fahrschule gründen und
führen durfte. Diese Altlast ist noch nicht abgetragen. Die mit Änderung
des Fahrlehrergesetzes von 1998 endlich eingelöste Uralt-Forderung des
Berufsstandes nach obligatorischer betriebswirtschaftlicher
Unterrichtung der neu hinzukommenden Fahrschulunternehmer war
halbherzig. Ein 70-Stunden-Kurs ohne abschließende Prüfung reicht zur
Erlangung der für Fahrschulinhaber erforderlichen
betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und einer entsprechenden
ökonomischen Bewusstseinsbildung nicht aus. Häufig hört man, bei diesem
Kurs ohne Abschlussprüfung genüge die körperliche Anwesenheit, um die
erforderliche Teilnahmebescheinigung zu bekommen.
Den Fahrschulen ist die Aufgabe
übertragen, künftige Kraftfahrer auf eine verantwortungsvolle,
sicherheitsbetonte und umweltbewusste Teilnahme am Straßenverkehr
vorzubereiten. Die Erwartungen der meisten Fahrschulkunden gehen – rein
ideell betrachtet – in die gleiche Richtung. Im Widerspruch dazu steht
die Realität, nach der bei vielen die möglichst unaufwändige, billige
„Erringung“ des Führerscheins den eigentlich vorhandenen Wunsch nach
gründlicher Ausbildung verdrängt. Die Fahrprüfung – so wichtig sie ist –
hat den Nachteil einer „Momentaufnahme“, die im Wesentlichen auf das
Erkennen groben Versagens, nicht aber auf die Bewertung profunden
Könnens programmiert ist. Die gute Fahrschule kann sich aber nicht auf
eine oberflächliche, in eine „Prüfungslotterie“ mündende Ausbildung
einlassen. Sie muss vielmehr tiefgründig ausbilden und dennoch
konkurrenzfähig bleiben. Das ist, zumal in wirtschaftlich kritischen
Zeiten, ein nicht ganz leichter Spagat, aber – wie uns viele Beispiele
zeigen – auch nicht unmöglich.
Doch wie geht das? Darauf gibt es nur
eine Antwort: Gleichbleibend hohe Qualität; das schließt über Standard
liegende Fachlichkeit, besten Service sowie freundliche, geduldige
Kundenzuwendung ein. Wem es gelingt, sich damit von der nur auf den
Preis fokussierten Konkurrenz abzusetzen, muss sich auch wegen so naiver
Einwände wie „Richtiges Autofahren lernst Du doch erst in der Praxis“
keine Gedanken mehr machen. Niemand wird den im Allgemeinen mit
zunehmender Fahrpraxis einhergehenden Reifeprozess bezweifeln wollen.
Qualitätvolle Fahrausbildung richtet den Blick aber vor allem auf die
Fähigkeit, selbstständige Erfahrung bei höchstmöglicher Sicherheit zu
erlangen.
Oh je, schon wieder das Geld
Ja, zurück zum Geld. Nach der amtlichen
Umsatzsteuerstatistik erzielte im Jahr 2007 ein knappes Viertel der
deutschen Fahrschulen einen Jahresumsatz von weniger als 50.000 Euro. In
solchen Fahrschulen sind höchst wahrscheinlich keine angestellten
Mitarbeiter beschäftigt. Nimmt man den für diese Betriebsgröße
relevanten Erfahrungswert durchschnittlicher Betriebskosten von ca. 55
Prozent des Umsatzes an, muss der Großteil dieser Fahrschulinhaber mit
einem Jahreseinkommen von brutto um die 20.000 Euro auskommen. Davon
müssen nicht nur die Lebenshaltungskosten, sondern auch die soziale
Absicherung des Unternehmers und seiner Familie bestritten werden.
Welche Ursachen führen zu so niedrigen Jahreseinkommen? Zu wenig
Zuspruch? Mangelnde Arbeitsbereitschaft? Fehlender Fleiß? Falsche
Kalkulation? Das ist im Einzelnen (noch) nicht untersucht. Langjährige
aufmerksame Beobachtungen lassen jedoch darauf schließen, dass hier
überwiegend unangemessen niedere Entgelte, oft sogar Dumpingpreise, im
Spiel sind.
Geld als Anreiz für Leistung
Bei einer Umfrage quer durch die
arbeitende Bevölkerung erklärten mehr als 90 Prozent der Befragten, ihre
Leistungsbereitschaft werde durch eine angemessene Entlohnung deutlich
gesteigert. Das dürfte auch auf die Mehrheit der Fahrlehrer zutreffen.
„Wer“, wie es der frühere Vorsitzende eines Fahrlehrerverbandes vor 25
Jahren einmal ausdrückte, „Tag für Tag mit einem 25-Mark-Gesicht im Auto
sitzt, hat es schwer, sich immer wieder zu besonders engagierter Arbeit
zu motivieren“ (der Durchschnittspreis pro Pkw-Fahrstunde lag damals bei
35 DM).
Also doch der Ruf nach staatlicher
Entgeltregelung? Das wäre ein falsches Signal. Eine staatliche
Gebührenordnung würde das Dumping nicht verhindern, weil – wie wir aus
den Erfahrungen anderer Berufe längst wissen – die staatlich diktierten
Sätze zum einen nicht eingehalten und zum anderen die leistungsfähigen
Fahrschulen benachteiligen würden. Ganz abgesehen davon, einem solchen
staatlichen Eingriff müsste eine – sehr unwahrscheinliche –
ordnungspolitische Drehung um 180° vorausgehen.
Qualität vs. Preis
In einer freien Wirtschaftsordnung muss
man mit dem Preiswettbewerb leben. Das gilt – man mag es noch so sehr
bedauern – auch für sicherheitsrelevante Dienstleistungen wie die
Fahrausbildung. Für Experten aus der allgemeinen Wirtschaft liegt ein
Zusammenhang zwischen Dumpingpreisen und mangelhafter
Ausbildungsqualität nahe. Wenn das so ist, liegt darin für die
leistungsfähige Fahrschule die große Chance, sich durch Qualität von den
„Discountern“ abzusetzen. Was Ausbildungsqualität ist, wie man sie
bemisst und implementiert, wissen wir heute. Die Deutsche
Fahrlehrer-Akademie e.V. hat mit ihrem Qualitätsmanagement für
Fahrschulen einen Meilenstein für eine durchgreifende Erhöhung der
Ausbildungsqualität gesetzt. Jetzt kommt es darauf an, die Bedeutung
qualitätvoller Fahrausbildung für die Sicherheit der Fahranfänger und
somit für die Verkehrssicherheit insgesamt stärker als bisher im
gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Dabei sollte man eigentlich
auf bereitwillige Unterstützung des Gesetzgebers hoffen dürfen.
Peter Tschöpe
|
Peter Tschöpe ist Vorsitzender des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., Mitglied des
Geschäftsführenden Vorstandes der
Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V.
und 1. Vizepräsident der Deutschen Fahrlehrer-Akademie e.V. |