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Theoretische
Fahrerlaubnisprüfung
Regionale Triumphe des Misserfolgs
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Gebhard L. Heiler
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Ein Chart des Kraftfahrtbundesamtes für das Jahr 2008
lässt keinen Zweifel: Im Osten Deutschlands ist das Risiko, bei der
theoretischen Fahrerlaubnisprüfung durchzufallen, um rund ein Drittel
höher als in den westlichen Bundesländern. |
Wenn das eine einmalige Erscheinung des Jahres 2008 wäre, könnte man
es mit Bedauern zur Kenntnis nehmen und im Übrigen mit der Hoffnung auf
rasche Besserung zur Tagesordnung übergehen. Aber so ist es nicht, die
negativen Werte sind im Wesentlichen seit Jahren unverändert. Wer nach
dem Warum fragt, bekommt unterschiedliche Antworten, von denen nicht
alle unbedingt sachdienlich sind. So ist u. a. zu hören, die in den
östlichen Bundesländern zuständige Prüforganisation mixe einen besonders
scharfen Fragencocktail, in dem die für Normalbürger besonders schwer
verständlichen Fragen überwögen. Dies ist eine nicht nur unwahre,
sondern geradezu absurde Erklärung, denn längst hätten aufmerksame
Fahrlehrer eine solche Manipulation erkannt und öffentlich gemacht.
Deshalb sollte man diese Stammtischparole sofort vergessen. Auch in den
Bereich der Psychologie und der Pädagogik weisende Erklärungen werden
bemüht, so z. B. Prüfungsängstlichkeit und Lernprobleme der Fahrschüler.
Nun ist aber sehr schwer zu verstehen, warum bei den Jugendlichen der
östlichen Bundesländer diese Probleme weiter verbreitet sein sollen als
bei denen in Hessen oder Nordrhein-Westfalen.
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Es geht auch anders
Interessant ist hierbei besonders, dass es in den neuen Ländern nicht
wenige Fahrschulen gibt, deren Prüfungsergebnisse in sehr positiver
Weise vom statistischen Durchschnitt abweichen. Diese Fahrschulen haben
es nicht etwa nur mit angehenden Einsteins aus Familien der Oberschicht,
sondern mit einer gemischten Klientel unterschiedlicher sozialer Prägung
zu tun. Es ist deshalb m. E. nicht länger verantwortbar, die eklatanten
Zahlen des Misserfolgs hinzunehmen. Eine gründliche Untersuchung ist
hier unerlässlich. Dabei sollten neben anderen möglichen defizitären
Einwirkungen vor allem auch die Qualität der Fahrschulen und der
Einfluss des Wettbewerbs unter die Lupe genommen werden. |
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Bei entsprechender Rigorosität kann Letzterer,
das ist längst auch aus den alten Ländern bekannt, zur Vernachlässigung
der bei der Ausbildung gebotenen Sorgfalt und der erforderlichen
Erfolgskontrollen führen.
Der Osten ist wegen des dort herrschenden Überangebots an
Fahrschulleistungen ein extremer Käufermarkt. Eine permanent höhere
Durchfallquote könnte für Fahrschulen und Prüforganisation eine höhere
Auslastung ihrer Kapazitäten und somit höhere Rendite bedeuten. Läge die
Erklärung des Phänomens auch nur zu einem Bruchteil darin, wäre das
schändlich und müsste im Interesse der Verbraucher und der
Verkehrssicherheit dringend unterbunden werden. Wie auch immer,
jedenfalls ist die Annahme, ein nicht geringer Teil der Fahrschüler gehe
ungenügend vorbereitet in die Prüfung, nicht leicht von der Hand zu
weisen. In diese Richtung weisen übrigens auch die fortgesetzt
miserablen Zahlen der praktischen Prüfung.
Gebhard L. Heiler |