|

Dr. Walter Eichendorf
|
Der Schutz des menschlichen Lebens steht heute wie vor 40 Jahren im
Vordergrund der Aktivitäten des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR)
und seiner Mitglieder. Eine Daueraufgabe, auch wenn die
Verkehrssicherheitsarbeit in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten
große Fortschritte erzielt und beachtliche Erfolge errungen hat. Hatten
wir 1970 mit 21.300 Getöteten im Straßenverkehr einen traurigen
Höhepunkt erreicht, liegt diese Zahl nach vorläufigen Ergebnissen des
Statistischen Bundesamtes für 2009 bei 4.160. |
Das sind im Durchschnitt elf Menschen, die Tag für Tag auf unseren
Straßen ihr Leben verlieren, und mehr als 1.000, die verletzt werden.
Auch wenn dies für 2009 einen Rückgang der Getötetenzahlen um sieben
Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, sind diese Zahlen nach wie
vor inakzeptabel.
Vision Zero für eine sichere Zukunft
Seit über zwei Jahren ist die Sicherheitsphilosophie "Vision Zero –
keiner kommt um, alle kommen an" die Basis für die Arbeit des DVR und
seiner Mitglieder. Kern der Philosophie ist ein sicheres Verkehrssystem
und die Einsicht, dass der Mensch als Teil dieses Systems nicht
fehlerfrei agiert. Ziel von "Vision Zero" ist es, die Mobilität
lebenswert zu sichern und unfallfrei zu gestalten und dadurch das
Sicherheitsbedürfnis der Menschen zu befriedigen. Bei Zielkonflikten
gibt "Vision Zero" die Richtung klar vor: im Zweifel für die
Verkehrssicherheit.
Aufbauend auf der bisherigen Arbeit in den Bereichen Mensch, Technik
und Straße nehmen wir die Herausforderung an, die Zahl der Verkehrsopfer
weiterhin deutlich senken zu wollen.
Schwerpunkte sind Fragen der Verkehrserziehung und -aufklärung, der
Fahrzeug- und Verkehrstechnik, des Verkehrsrechts, der Verkehrsmedizin
und der -überwachung. Der DVR koordiniert die vielfältigen Aktivitäten
seiner rund 220 Mitglieder, entwickelt Programme und passt diese
kontinuierlich neuen Anforderungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen
an. Eine zentrale Aufgabe ist es, die Bemühungen aller beteiligten
Stellen zu einem gemeinsamen und wirksamen Handeln zu bündeln.
Fahranfänger besonders gefährdet
Bei den Fahranfängern, die eine besonders gefährdete
Verkehrsteilnehmergruppe sind, stehen Verkehrserziehung und
-aufklärung sowie eine sehr gute Fahrausbildung im Vordergrund.
ie jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren stellen nach wie vor
die Hochrisikogruppe im Straßenverkehr dar. Obwohl ihr
Bevölkerungsanteil nur bei rund acht Prozent liegt, gehören leider 22
Prozent der im Straßenverkehr Getöteten zu dieser Altersgruppe. Im Jahr
2008 waren es 887 junge Erwachsene, die ihr Leben auf unseren Straßen
verloren haben.
Neben einer qualitativ hochwertigen Fahrausbildung muss mit Blick auf
eine fortdauernde sichere Mobilität für Fahranfänger die Entwicklung
eines umfassenden Konzepts zur Ausbildung und Betreuung der Fahranfänger
im Vordergrund stehen. Mehrphasiges Lernen in der gefährlichsten Zeit
der Fahrerkarriere soll zur Unfallreduktion führen. Hierzu gehören eine
kontinuierliche Forschung zur Mobilität junger Fahrerinnen und Fahrer,
die Qualitätssicherung und regelmäßige Aktualisierung der Inhalte der
Basisausbildung sowie die Förderung von Konzepten, die ein
selbstständiges Lernen unter risikoärmeren Bedingungen zulassen wie zum
Beispiel das Erfolgsmodell „Begleitetes Fahren mit 17“.
Darüber hinaus müssen geeignete Elemente zur Senkung des
Unfallrisikos nach dem Fahrerlaubniserwerb erprobt, evaluiert und
optimiert werden. Das gilt zum Beispiel für das seit dem 1. August 2007
geltende absolute Alkoholverbot für Fahranfänger, die Länge der
Probezeit oder die Kennzeichnung der Fahrzeuge von
Führerscheinneulingen.
Es ist wichtig, Angebote zu schaffen oder auszubauen, die ein
Feedback in den ersten Jahren des selbstständigen Fahrens sicherstellen.
Die obligatorische Einführung eines Mehrphasenmodells wäre hier
hilfreich.
Aber das allein reicht nicht. Der einzelne Verkehrsteilnehmer muss
sich unabhängig von Alter und Fahrerfahrung über die Risiken bewusst
sein, die er durch sein Handeln für sich und andere erzeugt.
Ich bin
sicher, dass wir mit den genannten Maßnahmen für Fahranfänger weitere
Fortschritte im Sinne der "Vision Zero" machen werden.
Selbstverständlich kann dies nur im Zusammenspiel mit dem Know-how und
dem Engagement der Fahrlehrerschaft, insbesondere der Deutschen
Fahrlehrer-Akademie, zu einem erfolgreichen Ergebnis führen. Die
Fortsetzung und Vertiefung dieser guten und konstruktiven Zusammenarbeit
ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit!
Dr. Walter
Eichendorf
Präsident
Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)