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11/2011
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Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V.
Rückblick auf die Anfänge und das Werden II
Schon kurz nach der Gründung der
Akademie im Mai 1990 konstituierte sich der Wissenschaftliche Beirat.
Das Gremium, das seitdem ununterbrochen von Dipl.-Psych. Ass. jur.
Wolfgang Preußer geleitet wird, setzte sich von Anfang an aus Experten
der für das Fahrlehrerwesen maßgeblichen wissenschaftlichen Disziplinen
sowie erfahrenen Praktikern zusammen.
Neben den im
Newsletter 6 erwähnten Projekten bearbeiteten und prüften
Vorstand und Beirat eine ganze Reihe von Impulsen und Vorschlägen, die
teils auch von außen an die DFA herangetragen wurden. So fragte die
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit mbH (GTZ) im Herbst 1991 bei
der Akademie an, ob sie bereit wäre, an einem Projekt zur Verbesserung
der Verkehrssicherheit in Uruguay und dabei speziell am Aufbau eines
leistungsfähigen Fahrausbildungs- und Prüfungswesens mitzuarbeiten. Die
Zusage fiel nicht leicht, zumal damit neben erheblichen
Vorbereitungsarbeiten die mehrwöchige Entsendung eines Experten nach
Uruguay verbunden war. Das Projekt wurde angenommen und im Frühjahr 1992
sehr erfolgreich ausgeführt. Ein weiteres Projekt galt dem Zugang
Mobilitätsbehinderter zum Kraftfahrzeug. Hier sah die DFA enormen
Informationsbedarf sowohl für die Behinderten selbst als auch für
Fahrschulen, Erlaubnisbehörden, Prüforganisationen und
Rehabilitierungseinrichtungen. Wie sich bald herausstellte, war dies ein
in mehrfacher Hinsicht ehrgeiziges Unterfangen, für das zunächst
geeignete Fachautoren gesucht werden mussten; auch die Finanzierung war
keineswegs sichergestellt.
Auf der Mitgliederversammlung 1992 war das
Verhältnis zur Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. ein stark
diskutierter Punkt. Vorstand und Mitglieder bedauerten die auf
Missverständnissen beruhenden Spannungen zwischen den beiden
Organisationen, die einer Zusammenarbeit im Wege standen.
Karl-Rederer-Preis
Ein Highlight des Jahres 1992 war die
Stiftung des Karl-Rederer-Preises für „Herausragende Leistungen auf dem
Gebiet der Verkehrspädagogik“ durch Frau Lilli Rederer, Ulm. Ihr
verstorbener Mann, Karl Rederer, hatte sich nach dem 2. Weltkrieg um den
Wiederaufbau des Fahrlehrwesens im heutigen Land Baden-Württemberg sehr
verdient gemacht. 1950 Mitinitiator und Mitgründer des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., diente Rederer dem
Berufsstand der Fahrlehrer in wichtigen Positionen. Er hat sich
zeitlebens für ein eigenständiges, pädagogisch geprägtes Berufsbild der
Fahrlehrer eingesetzt. Der zu seinem Gedenken gestiftete Preis wird
zusammen mit einer Urkunde und einer Medaille verliehen und ist dank
einer generösen Spende von Frau Rederer mit einem ansehnlichen Betrag
dotiert. Der Unfallforscher und heutige Präsident der DFA, Professor
Dr.-Ing. Klaus Langwieder, wurde 1993 als Erster mit dem
Karl-Rederer-Preis ausgezeichnet. In der Laudatio hieß es sinngemäß,
Langwieder habe durch seine Forschungsergebnisse und deren verständliche
Darstellung in hervorragender Weise zur Interpretation von
Unfallursachen und somit zur Vertiefung und Intensivierung der
Gefahrenlehre im Fahrschulunterricht beigetragen.
Ideenschmiede auf Hochtouren
Die finanziellen Möglichkeiten der DFA
waren in den Anfangsjahren sehr bescheiden und sind auch heute, im 20.
Jahr ihres Bestehens, keineswegs üppig. Trotzdem wurde ausgezeichnete
Arbeit geleistet. Die Ideenschmiede lief sozusagen auf Hochtouren, doch
einige wirklich bedeutsame Anregungen und Projektkonzepte mussten wegen
Geldmangels verworfen oder zurückgestellt werden. Das Protokoll der
Mitgliederversammlung 1994 enthält folgende, die seinerzeitige Lage
erhellenden Sätze: „Unserer mehrfach geäußerten Bitte, die DFA in
geeigneter Weise in die Bearbeitung dieses (von ihr angestoßenen – die
Red.) Projekts einzubeziehen, wurde nicht entsprochen. Hier half auch
nicht, dass das ‚Erstgeburtsrecht‘ bei der DFA und ihrem
Wissenschaftlichen Beirat lag. Auf der einen Seite freut es uns, dass
eine potente Stelle sich nun um das von uns früh erkannte Problem
angenommen hat. Andererseits ist es aus unserer Sicht sehr bedauerlich,
dass die DFA nicht einbezogen wurde.“ Aus diesem Protokoll geht auch
hervor, dass man künftig mit Informationen über entwickelte Ideen und
Konzepte etwas vorsichtiger umgehen werde.
Erste Publikationen
Unter dem Titel „Fahrausbildung in
Deutschland“ erschien im Frühjahr 1994 die erste Publikation der DFA. Es
handelte sich dabei um eine zusammenfassende Darstellung der rechtlichen
und pädagogischen Entwicklung sowie den aktuellen Stand des
Fahrausbildungs- und Prüfungswesens. Die
dreisprachige Broschüre – deutsch, englisch, französisch – traf
auf großes Interesse und wohlwollende Aufnahme, vor allem auch im
europäischen Ausland und in den USA. Doch die DFA war mit diesem Projekt
wieder einmal an ihre finanziellen Grenzen gestoßen. Ein Sponsor sollte
helfen. Nach vergeblichem Anklopfen an diversen Türen erbarmte sich
schließlich der Chef der Vertriebsabteilung eines namhaften
Automobilherstellers mit den Worten: „Sie bringen mir die Rechnung, und
ich zahle die Hälfte davon.“ Das war generös und rettete die
Jahresbilanz vor einem Debet.
Als weitere Publikation nahm das Fachbuch
„Mobilitätsbehinderte und Kraftfahrzeug“ allmählich Gestalt an. Ein
Arbeitskreis aus Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats und externen
Experten erarbeitete die Struktur des Buches und sorgte sich um die
einzelnen Beiträge. Das Buch erschien im November 1997 und gilt seitdem
als das Standardwerk für Fragen des Zugangs Behinderter zum Automobil.
Gütesiegel für Lehrmittel
Unter den Fahrlehren gab es seit Langem
eine spürbare Unzufriedenheit über die am Markt angebotenen Lehrmittel.
In der Kritik standen besonders die Schülermedien. Das veranlasste die
DFA Ende 1994, das Projekt „Gütesiegel für pädagogisch wertvolle
Lehr-mittel im Fahrschulunterricht“ aufzulegen. Die unter Professor Gerd
Sackmann, Stuttgart, arbeitenden Experten drangen tief in die Materie
ein und legten schon bald ein fein kalibriertes Bewertungsraster vor,
dessen Gültigkeit und Zuverlässigkeit bis zum Tage unbestritten ist.
Leider wurde davon nur zögerlich Gebrauch gemacht. Gerade die in den
letzten Jahren zunehmende Digitalisierung der Lernmittel sollte Grund
genug sein, sich dieser Arbeit zu erinnern, um festzustellen, wie viel
didaktische Nieten hier unterwegs sind.
Annäherung
1995 kam es zu der lang erwarteten
Annäherung zwischen der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF)
und der DFA. Noch waren nicht alle Rätsel gelöst und alle Differenzen
beseitigt, jedoch brachte der im Frühjahr 1994 neu gewählte Vorsitzende
der BVF, Gerhard von Bressensdorf, auf der Mitgliederversammlung 1995
die Bereitschaft zu vertrauensvoller Zusammenarbeit zum Ausdruck.
GLH
Fortsetzung Newsletter 8
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